Lockheed L1649A "Super Star"

Die erste "Super Star" der Lufthansa ging 1958 an den Start. Nach ihrer Restaurierung soll sich die Flugzeuglegende wieder in die Lüfte erheben.

12/2011 | Das Struktur-Engineering

"What a project!" Drei Worte, mit denen James Burd, Struktur DER des Lockheed Super Star Projektes, nicht besser seine Faszination für das einzigartige Restaurierungsprojekt der DLBS und Lufthansa Technik zum Ausdruck bringen könnte.
James Burd ist als Designated Engineering Representative, kurz DER, im Auftrag der Lufthansa Technik verantwortlich dafür, dass sämtliche Strukturarbeiten am Flugzeug mit den Richtlinien der US-Luftfahrtbehörde FAA konform sind. "Ich bin rund ein viertel Jahrhundert in der Luftfahrtbranche tätig, aber so ein Projekt wie das der Lockheed Super Star ist einzigartig und der Höhepunkt meiner bisherigen Karriere. Das Flugzeug, was in wenigen Jahren an den Start geht, wird von vergleichbarer technischer Qualität wie ein fabrikneuer Airbus oder eine Boeing sein", verrät James Burd mit strahlenden Augen. Über seine Firma Avenger war Burd bereits an zahlreichen Projekten beteiligt, und hat auch die Flugoldtimerszene intensiv beobachtet. Doch ist sich der Struktur DER keines weiteren Projektes bewusst, das die flugfähige Instandsetzung eines mehr als fünfzig Jahre alten viermotorigen Propliners gemäß den höchsten Zulassungsstandards der US-Luftfahrtbehörde FAA zum Ziel hatte.

In diesem ambitionierten Ziel liegt auch die besondere Herausforderung an das gesamte Super Star Ingenieurteam der Lufthansa Technik, das Dr. Rainer Sebus seit dem März 2011 von Auburn aus leitet und zu dem Burd sowie die Ingenieure seiner Firma Avenger gehören.

Als Designated Engineering Representative ist James Burd seit September 2009 von Lufthansa Technik mit der Beurteilung und Freigabe von Ingenieuranweisungen für das L-1649A Projekt betraut. 2011 bezog die Ingenieurgruppe einen Bürokomplex unweit des Super Star-Hangars am Auburn-Lewiston Airport, um hier unter optimalen Bedingungen die zahlreichen Reparaturanweisungen erstellen zu können. Ein Teil des rund zwanzigköpfigen Avenger-Teams arbeitet vom Firmensitz in Greenville, South Carolina, aus, während weitere Lufthansa Technik Ingenieure in Hamburg für das Projekt tätig sind.

Bei ihrer Arbeit greifen die Super Star-Ingenieure auf historische Designunterlagen von Lockheed zurück, die der L-1649A Hersteller dem Projekt zur Verfügung stellt. Burd: "Unsere Aufgabe war und ist es zunächst zu verstehen, wie die Lockheed-Ingenieure die Super Star Mitte der 50er Jahre konstruiert haben. Das umfasst tausende Seiten von Stress Reports und Analysen. Jeder Flugzeughersteller verwendet leichte Abweichungen von den Standardverfahren, und da machte Lockheed keine Ausnahme. Auf diesen Vorgaben bauen wir auf und entwerfen neue Rechenmodelle, die mit den historischen Dokumenten kompatibel sind. Das gilt insbesondere für die Verbindung der bestehenden Struktur mit neuen, modernen, gleich guten oder besseren Materialen im Vergleich zu den Originalen."

Der DER ist das Bindeglied im Engineering zwischen der FAA und den Reparaturarbeiten im Hangar. Er arbeitet nicht für die FAA sondern als Teil des Super Star Eingineering Teams, ist jedoch befugt im Rahmen seiner Zulassung als verlängerter Arm der FAA Entscheidungen zu treffen und Ingenieurarbeiten zu genehmigen. "Meine Unterschrift unter ein Dokument ist mit dem eines offiziellen FAA-Stempels gleichzusetzen", so Burd. Dabei unterliegen die DER einer strengen Kontrolle seitens der FAA, müssen ihre abgezeichneten Dokumente der zugeteilten FAA-Fachaufsicht zur Prüfung vorlegen und jedes Jahr ihr Können bei einem FAA-Check unter Beweis stellen. "Wir können uns aber auch bei kritischen Fragen an unseren FAA-Betreuer wenden und Rat einholen", erklärt Burd. "Im US-Engineering gibt es nur zwei Branchen, die derart kontrolliert und reglementiert sind – die Luftfahrt und die Nuklearbranche – und das aus gutem Grund!"
                                   
Wolfgang Borgmann

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